Altstadt
historischer Stadtkern und Einkaufsparadies
Geschichte, Weitblick und ein besonderer Ort der Ruhe
Mitten im Herzen der Spandauer Altstadt erhebt sich die Kirche St. Nikolai – weithin sichtbar und seit Jahrhunderten eng mit der Geschichte Spandaus verbunden. Die gotische Hallenkirche aus dem 14. Jahrhundert ist die einzige erhaltene mittelalterliche Kirche im Bezirk und zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken Spandaus.
Schon ihr Name erzählt von der Lage der Stadt an Havel und Spree: Der heilige Nikolaus gilt als Schutzpatron der Seefahrer und Kaufleute. Als sich deutsche Kaufleute im mittelalterlichen Spandau niederließen und die Stadt zu einem wichtigen Handelsplatz entwickelte, wurde die Marktkirche dem heiligen Nikolaus geweiht.
St. Nikolai ist weit mehr als eine beeindruckende mittelalterliche Kirche. Sie gilt als Reformationskirche der Mark Brandenburg und damit als ein bedeutender Schauplatz der Kirchen- und Landesgeschichte. Am 1. November 1539 empfing Kurfürst Joachim II. hier das Abendmahl nach lutherischer Lehre mit Brot und Wein und bekannte sich damit öffentlich zum evangelischen Glauben. Die Reformation hielt Einzug in der Mark Brandenburg – ein Ereignis, an das bis heute das Denkmal des Kurfürsten vor der Kirche erinnert.
Auch Jahrhunderte später blieb St. Nikolai ein Ort, an dem Haltung gezeigt wurde: Während der Zeit des Nationalsozialismus gehörte die Gemeinde zu den wichtigen Zentren der Bekennenden Kirche in Spandau.
Schon beim Betreten beeindruckt der weite, lichtdurchflutete Kirchenraum mit seinen hohen Gewölben und seiner besonderen Atmosphäre. Es lohnt sich, einen Moment Platz zu nehmen, den Blick nach oben schweifen zu lassen und die Ruhe mitten in der lebendigen Altstadt zu genießen.
Bei einem Rundgang gibt es zahlreiche historische Details zu entdecken. Dazu gehören unter anderem die spätgotische Triumphkreuzgruppe, historische Kunstwerke und Grabstätten sowie die große Eule-Orgel. Sie wurde 1996 eingeweiht und verfügt über 51 Register und mehr als 3.600 Pfeifen. St. Nikolai ist heute einer der kirchenmusikalischen Schwerpunktorte Berlins und regelmäßig Schauplatz von Konzerten, Orgelmusik und weiteren Kulturveranstaltungen.
Wer Spandau einmal von oben sehen möchte, sollte den Kirchturm besteigen. 230 Stufen führen hinauf – und werden mit einem außergewöhnlichen Panorama belohnt. Von hier reicht der Blick weit über die Dächer der Altstadt, zur Havel und ins Havelland und über Spandau hinaus in Richtung Berlin.
Schon Theodor Fontane berichtete in seinen „Wanderungen durch die Mark Brandenburg“ von der Turmbesteigung und der Aussicht. Heute ist der Aufstieg deutlich komfortabler: Von April bis Oktober werden regelmäßig öffentliche Turmführungen angeboten.
Direkt gegenüber der Kirche befindet sich am Reformationsplatz das Museum Spandovia Sacra. Das reformationsgeschichtliche Museum ist in einem historischen Fachwerkhaus untergebracht und erzählt von der fast 800-jährigen Geschichte der Gemeinde und ihrer engen Verbindung mit der Stadt Spandau.
Zu seinen besonderen Schätzen gehören Gemälde, historische Abendmahlsgeräte, Kirchenbücher und Urkunden. Auch die alte Kirchenbibliothek ist bemerkenswert: Mehr als 2.600 Bände werden hier bewahrt, darunter eine Handschrift aus dem Jahr 1447. Wechselnde Ausstellungen machen Kirchen-, Stadt- und Regionalgeschichte anschaulich erlebbar.
Nach dem Kirchenbesuch lohnt es sich, noch ein wenig auf dem Reformationsplatz zu bleiben. Unter alten Bäumen, umgeben von historischen Fassaden und kleinen Geschäften und Cafés, lässt sich hier wunderbar eine Pause vom Altstadtbummel einlegen.
St. Nikolai verbindet auf besondere Weise das, was Spandau ausmacht: jahrhundertealte Geschichte, überraschende Ausblicke, Kultur und lebendiges Stadtleben – und mittendrin einen Ort, an dem man einfach für einen Moment sitzen, schauen und zur Ruhe kommen kann.
Reformationsplatz, 13597 Berlin